Spüre einmal hinein, wie die folgenden beiden Gespräche auf Dich wirken. Welche Atmosphäre entsteht dabei? Was passiert innerlich bei den Beteiligten?
Ein typisches angespanntes Gespräch im Arbeitsalltag
Mitarbeiterin: Ich habe langsam das Gefühl, dass es völlig egal ist, wie viel ich hier mache. Es kommt immer nur noch mehr dazu.
Vorgesetzter: Das stimmt doch so nicht. Im Moment ist einfach viel zu tun.
Mitarbeiterin: Ja, aber ich sage seit Tagen, dass ich völlig überlastet bin. Das interessiert keinen.
Vorgesetzter: Natürlich interessiert mich das. Aber ich kann auch nicht zaubern.
Mitarbeiterin: Ich habe eher das Gefühl, dass einfach erwartet wird, dass ich irgendwie funktioniere.
Vorgesetzter: Jetzt machen Sie es bitte nicht größer, als es ist. Die anderen schaffen ihre Aufgaben ja auch.
Mitarbeiterin: Genau das meine ich. Es geht sofort wieder darum, dass ich mich anstellen würde.
Vorgesetzter: Und ich habe ehrlich gesagt langsam das Gefühl, dass man es Ihnen sowieso nicht recht machen kann.
Wie fühlt sich dieses Gespräch für Dich an? Kennst Du solche Situationen aus Deinem Arbeitsalltag?
Ein möglicher ehrlicher Austausch in derselben Situation
Mitarbeiterin: Ich fühle mich gerade ziemlich unter Druck und erschöpft. Ich merke, dass mir die vielen Aufgaben im Moment zu viel werden.
Vorgesetzter: Danke, dass Sie das ansprechen. Ich merke selbst, dass bei mir gerade Anspannung da ist. Ich merke, dass mir der Druck und die Verantwortung oft zu viel sind.
Mitarbeiterin: Ich spüre Erleichterung. Da ist der Gedanke, dass ich gehört werde.
Vorgesetzter: Da ist bei mir der Gedanke, dass ich zuletzt sehr lösungsorientiert war und dabei vielleicht zu wenig wahrgenommen habe, wie belastend die Situation für Sie gerade ist.
Mitarbeiterin: Ich wünsche mir im Moment vor allem etwas mehr Klarheit und Unterstützung bei den Prioritäten.
Vorgesetzter: Das kann ich verstehen. Mir ist wichtig, dass Sie sich hier nicht allein gelassen fühlen. Vielleicht schauen wir gemeinsam, welche Aufgaben gerade wirklich wichtig sind, und was warten kann.
Mitarbeiterin: Das fühlt sich gerade deutlich entspannter an.
Vorgesetzter: Ich spüre auch Erleichterung. Ich merke gerade wieder mehr Verbindung und Offenheit.
Vielleicht spürst Du beim Lesen, wie unterschiedlich sich diese beiden Arten von Kommunikation anfühlen können. Ehrlicher Austausch bedeutet nicht, dass keine Probleme oder Belastungen mehr da sind. Der Unterschied liegt darin, dass Menschen sich nicht gegenseitig bekämpfen oder verteidigen müssen.
Wenn Gefühle, Bedürfnisse und Belastungen offen angesprochen werden können, entsteht oft etwas sehr Wertvolles: Sicherheit im Kontakt. Teams werden ruhiger, klarer und verbindlicher. Kommunikation wird weniger Kampf und mehr echtes Miteinander.
